OSTITIS
chronische Ostitis
Der Begriff
Die Ostitis, auch als Ostei tis bezeichnet, steht für die En tzündung von Knochen gewebe, im eigentlichen Sinne wird das Wort Ostitis aber nur dann verwendet, wenn dieEn tzündung von den Gefäßen der sog. Havers Kanäle ausgeht.
Geht die En tzündung vom Markraum aus, so handelt es sich um eine Osteomyelitis, ist die Knochenhaut betroffen, liegt eine Periostitis vor.
Spezielle Ostitis -Erkrankungen (Auswahl):
· Ostitis deformans (Ostitis deformans Paget) das sog. Paget Syndrom (auch als Paget Krankheit, Morbus Paget oder Osteodystrophia deformans bezeichnet). Es handelt sich um eine Knochenerkrankung mit einem massivem, sowohl knochenaufbauenden als auch -abbauenden Knochenumbau, bevorzugt an Os sacrum (= Kreuzbein), Becken, Humerus (= Oberarm knochen), Tibia (= Schienbein), Femur (= Oberschenkel knochen), Wirbelkörper der Lendenwirbelsäule (seltener Brustwirbelsäule) und Schädel.
· Ostitis fibrosa disseminata, das sog. Jaffé-Lichtenstein Syndrom: Im Alter von 5-15 Jahren beginnende, schubweise fortschreitende Skelettfehlbildung infolge fibröser Dysplasie (= Ersatz des Knochenmarks durch faserreiches Bindegewebe) und Auftreibung der platten und der langen Röhrenknochen.
· Ostitis fibrosa maxillarum, auch als Frangenheim-Rupp Syndrom bezeichnet. Bei dieser Knochenkrankheit kommt es zu einer langsam fortschreitenden Verformung meist des Oberkiefer s durch Anbau von Knochenbälkchen, später mit Beteiligung von Hirnschädel, Extremitäten (= Arme, Beine), Becken und Wirbelsäule.
· Ostitis tuberculosa. Diese chronische Ostitis entsteht meist auf dem Blutweg, sozusagen als Zweit- bzw. Folgeerkrankung einer Lungentuberkulose, häufig auch auf Gelenke übergreifend (Gelenk tuberkulose).
· Ostitis purulenta: eitrige Knochenentzündung.
· Ostitis mastoidea: En tzündung der Schleimhaut der pneumatischen (= lufthaltigen) Zellen des Warzenfortsatzes mit umschriebener Knochenentzündung und Knochenhautentzündung. Meist bei Mittelohrentzündung oder als Exazerbation (= neuerliche Verschlimmerung einer Krankheit) einer chronische n Mittelohreiterung, häufig gefolgt von eitriger Knocheneinschmelzung.
Wie entsteht eine Ostitis (Os teitis)?
Da ein Kn ochen sehr gering durchblutet ist, erfolgt eine Infektion (= Eindringen von Krankheitserregern wie Bakterien oder Viren) nicht hämatogen (= durch Absiedelung aus dem Blut) wie hauptsächlich bei der Knochenmarkentzündung, sondern iatrogen (= durch ärztlichen Eingriff verursacht, z. B. Operationen) oder nach einem Trauma (= Verletzung). Die Gefahr ist allerdings groß, daß eine Ostitis im weiteren Verlauf auch auch die Kn ochenhaut (Periostitis) und das Kn ochenmark (Osteomyelitis) übergreift, bedingt durch die räumliche Nähe.
Eine Ostitis geht mit folgenden Symptomen (= Krankheitszeichen) einher:
Bei Beteiligung des Kn ochenmarks kann es darüber hinaus zu einer schweren Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens (bis hin zu einer Sepsis (= Blutvergiftung)) kommen.
Eine Ostitis kann auch auf benachbarte Gelen ke übergreifen.
Untersuchungen bei Verdacht auf Ostitis:
Wenn eine Eiteransammlung (Abszeß) nachweisbar ist, kann diese zum Nachweis bzw. Bestimmung des Erregers punktiert (= Gewebe-/Flüssigkeitsentnahme mit einer Kanüle) werden.
Zur Therapie der Ostitis
werden nach vorheriger Austestung hochdosiert Antibiotika gegeben.
Besonders bei Beteiligung des
Knochenmark
s ist häufig eine radikale Ausmuldung des Knoc
hens, Spüldrainage und Ruhigstellung durch Fixateur externe erforderlich.
Das Problem ist, daß Kn
ochengewebe relativ schlecht durchblutet ist, so daß die körpereigenen
Abwehrmechanismen kaum zu Tragen kommen. Die schlechte Durchblutung behindert
natürlich auch eine Antibiotika-Therapie und so kommt es nicht selten zu einer
Chronifizierung (=
langsam, schleichender Verlauf).
Zur
Schmerz
- und Ursachenbekämpfung
im Bereich der unteren Körperhälfte (von einer Ostitis,
besonders in Kombination mit einer
Knochenmarkentzündung,
sind hauptsächlich die
Beine betroffen) eignet sich die längerfristige, kontinuierliche epidurale
(= rückenmarknahe)
Blockade mit Katheter
(*siehe unten).
Diese Methode hat den großen Vorteil, daß es neben der erwünschten
Unterbrechung der
Schmerz
reizleitung durch gleichzeitige Blockade vegetativer
(= das unwillkürliche
Nervensystem betreffende) Nerven zu
einer
Sympathikolyse (=
Weitstellung der Blutgefäße) und
damit zu einer sehr deutlichen Mehrdurchblutung kommt, wie sie systemisch
medikamentös (= durch Arzneimittel, die im ganzen Körper wirken)
nicht zu erreichen ist. In dieser Situation
ist es dann äußerst sinnvoll nochmals eine (ausgetestete) Antibiotika-Behandlung
durchzuführen weil jetzt das Antibiotikum auch die Erreger erreicht. In diesem
Sinne ist diese Blockadebehand
lung
bei Ostitis geradezu kurativ
(= heilend).
Bei der chronische n Ostitis des Unterschenkel s können im Rahmen der therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) zur Durchblutungsverbesserung auch Lidocain-Injektionen in die A. femoralis (= Beinschlagader) durchgeführt werden (so z.B. 2-3 mal täglich 1-1,5ml (= 20-30 mg) im Abstand von 8-12 Stunden über 10 Tage).
Bei einer chronische n Ostitis im Bereich des distalen (= weiter entfernt von der Körpermitte) Unterschenkels oder Fuß es bewirkt auch die kontinuierliche Blockade des Nervus ischiadicus (* siehe unten) eine kräftige Sympath ikolyse (= Weitstellung der Blutgefäße) und damit eine sehr deutliche Mehrdurchblutung. Der Vorteil dieser Methode ist das geringere therapeutische Risiko.
Daß örtliche Betäubungsmittel auch entzündungshemmend wirken, ist zwischenzeitlich wissenschaftlich erwiesen. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, so klicken Sie hier.
Wenn Schmerzen bei bei einer Ostitis längerfristig bestehen, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen im Rahmen der speziellen Schmerzpsychotherapie zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen, was aber ambulant kaum möglich ist, weil es nur ganz wenige niedergelassene Psychologen gibt, die eine solche Weiterbildung absolviert haben.
* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit
Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw.
den betroffenen
Nerven
eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle
hindurch, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über
diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen
Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig
schmerz
los nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des
örtlichen Betäubungsmittels (Lokalanästhetikum)
durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Dass
die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus
anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch
die sog. vegetativen Ner
ven betroffen sind, woraus, wie oben schon ausgeführt, eine sehr deutliche
Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese
Behandlungsmethode besonders bei
Schmerzen, die auf
entzündliche oder auch degenerative Prozesse zurückzuführen sind, hilfreich ist.
Nach neueren Erkenntnissen kann diese intensive Blockadetherapie das sog.
Schmerzgedächtnis löschen, auch bei einer Ostitis.
Besteht ein chronischer Schmerz längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen im Rahmen der speziellen Schmerzpsychotherapie zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen, was aber ambulant kaum möglich ist, weil es nur ganz wenige niedergelassene Psychologen gibt, die eine solche Weiterbildung absolviert haben.
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